ÖSTERREICH

AUF DER SUCHE

Scania Transport Laboratorium

Auf der Spur eines rekordverdächtigen Euro 6

In dem Bestreben, neue Fahrzeuge zu testen und mehr über die echten Einsatzbedingungen zu erfahren, hat das Scania Transport Laboratorium Fahrzeuge über erstaunliche Entfernungen bewegt. Das rekordverdächtige Fahrzeug ist Teil einer Flotte aus 35 Fahrzeugen, die vom Transport Laboratorium betrieben werden. Diese Einrichtung erlaubt es Scania, Einblicke in den Alltag der Transportbranche zu erhalten.

Die Fahrzeuge der Testflotte umfassen das gesamte Spektrum vom G 280 bis zum R 730. Damit werden Güter wie Getriebe und Motoren zwischen den Produktionsstandorten von Scania im schwedischen Södertälje und im niederländischen Zwolle transportiert. Das höchstzulässige Gesamtgewicht der Fahrzeuge innerhalb des Fuhrparks beträgt durchschnittlich 35 Tonnen; die Gewichte reichen von 22 bis hin zu 78 Tonnen.

Das Scania Transport Laboratorium ist eine vollständige Tochtergesellschaft von Scania, wird aber als unabhängiges Güterverkehrsunternehmen betrieben. CEO ist Anders Gustavsson. „Unser Ziel ist es, für die Forschungs- und Entwicklungsabteilung von Scania schnell Betriebsdaten von Neufahrzeugen zu erfassen“, erklärt Gustavsson. „Die gesammelten Daten werden anschließend genutzt, um die Produkte und Transportlösungen von Scania weiter zu verbessern.“

Gustavsson merkt an, dass der durchschnittliche Kraftstoffverbrauch für den R 580 bei 29,8 Liter pro 100 Kilometer lag.

Scania beschäftigt etwa 100 Fahrer, die den Testfuhrpark rund um die Uhr auf der Straße halten und so die wichtigste Aufgabe der Abteilung erfüllen. Von Södertälje nach Zwolle sind es etwa 1.300 Kilometer; vier bis sechs Fahrer arbeiten in Schichten, um den Job zu erledigen. Jedes Fahrzeug fährt etwa 10.000 Kilometer pro Woche; die Verfügbarkeit des Fuhrparks liegt nahe 100 Prozent.

Cem Kizilkaya ist Fuhrparkleiter im Scania Transport Laboratorium. „Damit ein solcher Betrieb rund läuft, muss die Planung für die Arbeitszeiten der einzelnen Fahrer extrem ausgefeilt sein; wir haben ganz besondere Methoden dabei“, erklärt er.

Das japanische Transportunternehmen Transweb hat sich das Planungswerkzeug des Unternehmens genau angesehen und war so überzeugt davon, dass es übernommen wurde. Fahrer und Führungskräfte von Transweb haben das Scania Transport Laboratorium nun schon drei Mal besucht, um mehr über den effizienten Lkw-Einsatz und Fuhrparkbetrieb zu erfahren.

Sie glauben vielleicht, dass einem Berufskraftfahrer im Scania Transport Laboratorium egal ist, welchen Lkw er fahren soll. Weit gefehlt! Auch hier ist der V8 erste Wahl. „Ein Großteil der Lkw wird anhand des Kennzeichens identifiziert. Aber nicht der R 730“, sagt Kizilkaya. „Auch für erfahrene Fahrer ist es etwas Besonderes, einen V8 zu fahren.“

  • rich-text-image Im Oktober 2015 dürfte der Kilometerzähler eines Scania R 580 den Stand von 900.000 Kilometer anzeigen. Damit ist dieses Fahrzeug vom Scania Transport Laboratorium zweifellos der am weitesten gereiste V8 mit Euro-6-Motor.
  • rich-text-image Berufskraftfahrerin Annette Lindström blickt auf drei Jahrzehnte Erfahrung zurück, davon die letzten fünf Jahre bei Scania Transport Laboratorium.

Forschung auf der Straße

FÜNF FRAGEN

Annette Lindström gehört zu den nahezu 100 Fahrerinnen und Fahrern, die für das Scania Transport Laboratorium arbeiten, die Forschungseinrichtung des Unternehmens, in der echte Daten aus dem Transportalltag erfasst werden. Scania Legende konnte mit ihr sprechen, bevor Frau Lindström mit einem R 580 auf Tour ging.

  1. Unterscheidet sich die Arbeit für das Scania Transport Laboratorium von der für andere Fernverkehrsunternehmen?

    Es gibt ein großen Unterschied. Ich fahre seit 1986 und habe viel Erfahrung im Transportgeschäft. Beim Scania Transport Laboratorium bin ich jetzt fünf Jahre beschäftigt. Das besondere an dieser Stellung ist, dass es Spaß macht, im Rahmen der Forschungen hier an Entwicklung und Fortschritt der Branche teilzuhaben.

    Für das Transport Laboratorium unterwegs zu sein ist auch äußerst sicher. Ich kann mich immer auf großartige Unterstützung verlassen, wenn etwas passieren sollte. Und es kommen immer neue Fahrzeuge hier an – da ist für Abwechslung gesorgt. Es hat ein wenig gedauert, sich an diese Arbeitsweise zu gewöhnen. Wenn ich Schweden zum Beispiel in Richtung Süden verlasse, bekomme ich auf dem Weg nach Holland fast täglich ein neues Fahrzeug – das ist einfach klasse. Davor habe ich natürlich immer denselben Truck gefahren.
     
  2. Wie fühlt es sich an, mit einem 31,5 Meter langen Gespann unterwegs zu sein? Normal sind es ja 25,25 Meter …

    Auf gerader Strecke gibt es nicht wirklich einen Unterschied. Die Länge fällt vor allem auf, wenn ich an einen Rasthof fahre.­ Ich muss darauf achten, wo ich Platz für die mehr als 31 m finde – das ist auf einigen Parkplätzen eine echte Herausforderung.

  3. Und was halten Sie vom V8?

    Das Gefühl ist großartig. So ein V8 bietet mehr Leistung. Das macht sich vor allem an Steigungen bemerkbar. Heutzutage verlieren sogar die doppelt beladenen Gespanne nicht so viel Geschwindigkeit. Ich hoffe, demnächst mal einen R 730 zu fahren. Auf den Lkw bin ich wirklich gespannt.

  4. Sie haben eine zusätzliche Ausbildung bei Transport Laboratorium erhalten. Hat dies Auswirkungen auf Ihren Fahrstil und, falls ja, welche?

    Was mir seit meinem Antritt bei Scania besonders aufgefallen ist, ist der Schwerpunkt auf wirtschaftlichem Fahren. Vorher ging es immer um Vollgas, aber heute sind die Ansprüche höher. Man hat ständig den Ehrgeiz, noch umweltfreundlicher und mit noch weniger Verbrauch zu fahren, als beim letzten Mal.

  5. Sie fahren auch in Ihrer Freizeit einen V8, nämlich ein 1960er Oldsmobile. Wie fühlt sich das an?

    Mein Oldsmobile-Cabrio ist mein großes Hobby und mein größter Schatz. Es gibt immer etwas zu restaurieren. Dieses Jahr werde ich ein oder zwei Dinge erledigen, zum Beispiel den Lack ausbessern und die Sitzbezüge austauschen. In meiner Freizeit fahre ich oft durch die Gegend. Im Sommer geht es mit ein paar Freunden nach Tallinn, wo wir eine Tour machen.
„Auf dem Weg nach Holland bekomme ich fast täglich ein neues Fahrzeug – das ist einfach klasse.“

Fakten

Annette Lindström, Fahrerin beim Scania Transport Laboratorium
Alter: 56
Familie: vier Kinder und zwei Enkel
Interessen: alte amerikanische V8s, Katzen und ihre Familie