Oldtimer

Mit dem 143er bis ans Nordkap

Ein Scania Oldtimer erfüllt einen Lebenstraum

Joachim Hatscher trägt eine Faszination für große Nutzfahrzeuge in sich – und das seit seiner Kindheit. Ein Scania spielt dabei eine ganz besondere Rolle in seinem Leben. Lesen Sie die spannende und zugleich berührende Geschichte eines wahren Scania Fans – voller Leidenschaft, Erinnerungen und Erlebnisse, wie sie nur das Leben selbst schreiben kann.

Für Joachim Hatscher ist Scania seit einem prägenden Erlebnis in frühen Kindheitstagen nicht mehr wegzudenken. Schon mit zehn Jahren durfte er zum ersten Mal in einem Scania mitfahren: „Da habe ich mich in dieses ganz besondere Scania Gefühl verliebt“, erzählt er im Gespräch. Seitdem stand für ihn fest: „Ich will nichts fahren, auf dem nicht der Greif mit Krone zu sehen ist.“ Später war Joachim knapp zehn Jahre im Fernverkehr unterwegs, hat ganz Europa gesehen und Schwertransporte gesteuert – immer mit Scania. V8. „Die meiste Zeit war ein 143er der 3er-Serie mein Arbeitsplatz“, sagt er stolz und fügt voller Überzeugung hinzu: „Für mich ist das bis heute das schönste Fahrzeug, das es auf Erden gibt.“

„Runter vom Bock“ – aber den Scania 143er nie losgelassen

Seit über 20 Jahren ist Joachim Hatscher nicht mehr hauptberuflich mit einem Scania Lkw unterwegs. Heute arbeitet er als Feuerwehrmann. Obwohl ihn seine aktuelle Tätigkeit erfüllt, hat ihn der 143M Intercooler mit V8-Motor und 450 PS von einst nie losgelassen. „Gefahren bin ich all die Jahre trotzdem weiter Lkw – nebenbei, immer wieder. Und dabei waren ständig die Erinnerungen an meinen damaligen 143er da. Der Truck war weg, aber im Kopf und im Herzen fuhr ich ihn noch.“ Doch dann geschah es. Im Jahr 2021 stolperte er zufällig über eine Anzeige. „Zum Verkauf stand ein alter Scania. Genau wie meine alte Zugmaschine aus der Fernverkehrszeit. Genau so ein 143er“, freut sich Joachim bis heute über die Fügung des Schicksals.

 

Seine Frau gab sich trotz seiner Euphorie zunächst zurückhaltend: „Ich habe ihr gesagt, ich fahr nur hin und schau ihn mir an. Ich unterschreibe nichts, keine Angst.“ Doch die Freude über das Angebot überwog: „Tja – schon beim Einsteigen war es um mich geschehen. Schockverliebt. Der Geruch, das Cockpit, dieses Gefühl, wenn die Tür ins Schloss fällt – ich war sofort wieder zu Hause. Ich bin mit einem Strahlen im Gesicht wieder heimgefahren.“

 

Für Joachim Hatscher war die Sache sofort klar. Doch selbst den eingefleischten Scania Fan überkamen Zweifel bei dem Gedanken an die Anschaffung dieser ehemaligen Arbeitsmaschine. „Vernünftig war es eigentlich nicht, überhaupt über den Kauf nachzudenken. Bis meine Tochter mich anschaute und sagte: ‚Papa, ich habe dich noch nie so glücklich gesehen. Kauf ihn.‘“ Gesagt, getan. Für Joachim Hatscher war die Diskussion beendet. Der 143er fand sein Zuhause.

Einmal komplett zerlegt – und zum Traumtruck wieder aufgebaut 

Über die Jahre hatte der 143er von seinem Glanz verloren. „Der Lkw hatte 25 Jahre lang im Schwarzwald gearbeitet und Baden-Württemberg nie verlassen. Er war orange, solide, aber vom Stil her eher ein Arbeitstier als ein Traumtruck“, gesteht Joachim. Zwar war das Fahrerhaus frisch lackiert, die Qualität ließ aber zu wünschen übrig. Joachim Hatscher fasste den Entschluss, es richtig anzugehen: Das Fahrerhaus wurde komplett demontiert, eine erstklassige Lackiererei gesucht, alle Teile in den Traumfarben lackiert und das Fahrerhaus anschließend Stück für Stück wieder zusammengebaut. 

 

Übrigens kam die markante Farbgebung seines Lieblingsgefährts nicht von irgendwoher. Joachim hatte sie schon als 15-Jähriger im Kopf. „Damals habe ich ein 1:87-Modell eines Scania gebaut, und zwar genau in dem Design, das ich mir immer für meinen eigenen Lkw gewünscht hatte. Viele Jahre später stand genau dieser Traum – nicht mehr im Maßstab 1:87, sondern in Originalgröße – vor meiner Tür.“

 

Dass Joachims 143er heute wieder in vollem Glanz erstrahlt, liegt auch an der freundschaftlichen Verbindung zu dem Vorbesitzer und Werkstattmeister, die das Fahrzeug die letzten 25 Jahre gewartet und betreut haben. „Wir tauschen uns regelmäßig aus, sie verfolgen die Entwicklung des Trucks mit, und man merkt, wie viel Herzblut in den letzten Jahrzehnten schon in ihn geflossen ist“, sagt Hatscher.

Australien fällt ins Wasser – Nordkap wird geboren

2021/2022 wurden Joachim Hatscher und seine Frau beide 50 Jahre alt. Zur Feier des halben Jahrhunderts sollte es eine besondere Reise geben: sechs Wochen Australien – ein Traumziel, lange geplant. Doch dann kam Corona. Im Januar 2022 musste die Reise schweren Herzens abgesagt werden. „Ich erinnere mich eines Abends, die Stimmung aufgrund der Absage entsprechend im Keller, dass mich meine Frau fragte, was wir jetzt mit den sechs Wochen Urlaub machen sollten. Daraufhin antwortete ich – halb im Spaß, nach dem zweiten Schnapsglas: „Wir nehmen den Scania und fahren ans Nordkapp.“ Ich werde es nie vergessen: Sie schaute mich an, grinste und sagte nur: ‚Geile Idee, das machen wir.‘“ In diesem Moment wurde aus einem Scherz ein konkreter Plan.

Acht Wochen Zeit: Aus dem 143er wird ein Reisemobil

Fest stand schnell: Mit einer reinen Solo-Zugmaschine sechs Wochen unterwegs zu sein, wäre alles andere als gemütlich gewesen. Also musste ein Wohnaufbau her. „Ich habe ein Auflieger-Chassis gekauft, dieses komplett renoviert, einen ehemaligen Baustellencontainer daraufgesetzt und entsprechend ausgebaut.“ Herausfordernd, aber spannend: Die Elektroinstallation, den Innenausbau sowie die Gestaltung von Stauraum und Schlafplätzen hat Joachim alles in Eigenregie durchgeführt. Und wie das so ist: „Die Zeit war knapp, der Anspruch hoch, die To-do-Liste lang. Aber am Ende wurde ich pünktlich zur Abreise fertig.“ 

Der 143er machte nicht nur am Nordkap Halt

Nach dem aufwendigen Umbau ging es los: eine Traumtour durch die Niederlande, Dänemark, Schweden, Finnland und Norwegen – bis hinauf ans Nordkap. Die Bilder im Schnee, der 143er vor dieser atemberaubenden Kulisse, die langen Tage auf den skandinavischen Straßen – all das hat sich unauslöschlich in Joachims Seele eingebrannt. "Es gab Momente, da stand ich mit Freudentränen in den Augen – nicht nur wegen der Landschaft, sondern weil sich dieser Jugendtraum auf eine Weise erfüllt hat, die ich mir nie hätte vorstellen können."

 

Die Nordkap-Reise war erst der Anfang: Aus Joachim Hatscher und seiner Frau wurden leidenschaftliche Norwegen-Fans, erzählt er. "Ein Jahr später sind wir wieder nach Norwegen gefahren, weil es uns so unglaublich gut gefallen hatte. Im vergangenen Jahr ging es nach Irland – ebenfalls ein absoluter Traum: der Scania mitten im saftigen Grün, Sonnenschein statt Schneesturm, aber dieselbe Freiheit." Vor Kurzem sind beide von einer Spanien- und Portugal-Tour zurückgekehrt: fünf Wochen voller unvergesslicher Momente, kleiner Straßen, Meerblick und dieser einzigartigen Ruhe, die man nur unterwegs erlebt. Jede dieser Reisen hat ihre eigenen Geschichten, ihre eigenen Highlights – doch gemeinsam haben sie eines: Ohne diesen alten 143er wären sie nie möglich gewesen.

Eine Lebensgeschichte für Social Media 

Diese Faszination für Scania bringt Joachim Hatscher auch auf Social Media zum Ausdruck. Auf Instagram beispielsweise hat er beinahe 100 Beiträge veröffentlicht, die sich vor allem seinen geschätzten 143er in den Mittelpunkt stellen. Und so gut, wie Joachim auf seine Arbeitsmaschine aufpasst (Verwöhnprogramm inklusive), wird sie ihm sicher noch viele Jahre treue Dienste bereiten. „Ich bin immer noch überglücklich mit diesem Auto. Und jedes Mal, wenn ich den Schlüssel umdrehe, den V8 höre und einen Gang einlege, weiß ich: Manchmal lohnt es sich, auf die unvernünftigen Entscheidungen im Leben zu hören“, sagt Joachim Hatscher.