Technologie und Digitalisierung
Der Mensch entscheidet, wie gut die Technik ist
Die Transformation des Straßengüterverkehrs soll vor allem dank neuer Antriebstechnologien und Digitalisierung gelingen. Der Faktor Mensch darf dabei aber nicht außer Acht bleiben. Denn damit Transportunternehmen die Transformation erfolgreich bewältigen können, müssen die Beschäftigten den Weg mitgehen und entsprechend gut ausgebildet, informiert und motiviert sein.
Der Straßengüterverkehr war schon immer eng mit dem technischen Fortschritt verbunden – das gilt in der aktuellen Transformation ganz besonders. Gleichzeitig wächst die Rolle der Menschen im Unternehmen. Denn trotz aller Automatisierung bleibt eines klar: Technik entfaltet ihr Potenzial nur, wenn sie kompetent bedient wird.
Wissen macht den Unterschied
Digitale Anwendungen gehören längst zum Alltag im Transportwesen – und stellen Mitarbeitende oft vor neue Herausforderungen. Umso entscheidender ist es, rechtzeitig in Aus- und Weiterbildung zu investieren. Dabei geht es nicht zuletzt um grundlegendes digitales Verständnis. Wer diese Basis beherrscht, kommt schneller mit neuen Systemen zurecht – und spart wertvolle Zeit bei der Einarbeitung.
Investitionen steigen
Der Nachwuchsmangel ist ein Dauerthema der Branche; es fehlen mindestens 70.000 Lkw-Fahrer. Umso wichtiger ist es, die vorhandenen Kräfte fit für die Zukunft zu machen. Der Sachverständigenrat für die Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung bringt es in seinem Frühjahrsgutachten 2025 auf den Punkt: „Eine Erhöhung der Teilnahme an beruflicher Weiterbildung und Umschulungen ist daher essenziell, um […] die Beschäftigungsfähigkeit der Mitarbeitenden zu erhalten.“1 Die gesamtwirtschaftlichen Investitionen in Weiterbildung steigen seit Jahren – ein Trend, der sich fortsetzen dürfte.
Der Fahrstil macht’s
Umwelt und Betriebskosten profitieren von einem nachhaltigen Fahrverhalten, denn es kann bis zu 10 Prozent Kraftstoff einsparen. Fahrertrainings und digitale Anwendungen unterstützen die Entwicklung neuer Routinen.
Der (mit-)entscheidende Faktor für den Energieverbrauch eines Lkw sitzt hinter dem Steuer. Fahrercoachings sollten daher Teil der Transformationsstrategie eines Unternehmens sein. Digitale Apps unterstützen dies zusätzlich.
Trotz moderner Technik bleibt der Mensch ein zentraler Faktor für die Umweltbilanz eines Lkw. Zwischen 10 und 20 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs kann das Fahrpersonal durch eigenes Handeln beeinflussen.
Training lohnt sich
Nachhaltiges Fahren ist nicht selbstverständlich – gezielte Schulungen verankern das nötige Wissen. Scania unterstützt Transportunternehmen mit praxisnahen Trainings zu Fahrstil und Technik. Denn auch Assistenzsysteme entfalten ihre Wirkung nur bei korrekter Bedienung.
Coaching auf Augenhöhe
Noch individueller wird es im Einzelcoaching: Mithilfe der Fahrzeugdaten werden Optimierungspotenziale erkannt und gezielt angegangen. Die Scania ProDriver-App begleitet diesen Prozess. Sie analysiert relevante Fahrdaten und gibt konkrete Verhaltenstipps. Mit der Anwendung lassen sich rund um die Uhr neue Fähigkeiten lernen – ganz digital und spielerisch.
Sicherheit – ja, bitte!
Digitale Assistenzsysteme helfen, Unfälle zu vermeiden, und erhöhen den Fahrkomfort. Daher ist es auch eine Frage der Wertschätzung, den Fahrern möglichst viele elektronische Helfershelfer an die Hand zu geben.
Manche Fahrerassistenzsysteme sind gesetzlich vorgeschrieben, andere können freiwillig eingebaut werden, alle zusammen sorgen für mehr Sicherheit. Unternehmen sollten ihre Lkw umfassend ausstatten – und die Fahrer in die Technik einweisen.
Vom Notbremssystem bis zum Abbiegeassistenten: Moderne Lkw haben eine ganze Reihe von automatisierten Systemen, die eingreifen, wenn Gefahr droht. Für Neufahrzeuge sind gesetzlich vorgeschrieben:
- Informationssystem beim Anfahren
- Abbiegeassistent
- Rückfahrwarnsystem
- Intelligenter Geschwindigkeitsassistent
- Aufmerksamkeitsassistent
- Reifendrucküberwachung
- Notbremslicht
- Vorrichtung zum Einbau einer alkoholempfindlichen Wegfahrsperre
Nachrüsten? Unbedingt!
Für ältere Fahrzeuge gibt es häufig Nachrüstsätze, für deren Einbau zum Teil staatliche Zuschüsse gezahlt werden, etwa den Abbiegeassistenten. Speditionen sollten dies nutzen. Viele Assistenzsysteme haben unterschiedliche Einstellmöglichkeiten, die die Fahrer beherrschen müssen. Irrtümliche Fehlbedienungen können gefährlich werden! Eine gründliche Einweisung, etwa im Rahmen von Scania Fahrertrainings, ist das Mindeste.
Komfort durch Übersicht
Ein weiterer wichtiger Sicherheitsfaktor ist eine ergonomische Cockpitgestaltung. Bei der Vielzahl von Systemen geht der Überblick sonst schnell verloren. Moderne Digitalcockpits wie Scania Smart Dash denken mit und präsentieren den Fahrern immer die Informationen, die sie gerade benötigen. In Smart Dash sind sämtliche wichtigen Fahrzeugfunktionen integriert, von den Assistenzsystemen bis hin zu Subsystemen der Aufbauhersteller.
Veränderung braucht Vertrauen
Die Belegschaft vom Wandel zu überzeugen ist eine Herausforderung. Klare Ziele, nachvollziehbare Strategien und offene Kommunikation sind dafür unverzichtbar. Nur dann kommt echte Unterstützung aus den eigenen Reihen.
Auch wenn genug in die Fortbildung und die Technik investiert wird, heißt das noch lange nicht, dass die Transformation gelingt. Dafür braucht es Überzeugung – und eine Unternehmenskultur, die Veränderungen mitträgt.
In vielen Unternehmen ist die Digitalisierung noch nicht angekommen. Laut Scania Panel nutzen 42 Prozent der Betriebe kaum digitale Kanäle für die Kommunikation mit Fahrern. Adressen werden ins Telefon diktiert und womöglich Frachtbriefe gefaxt.
Folge der Überalterung?
Einer der Gründe für die zögerliche Annahme digitaler Technologien könnte in der Altersstruktur insbesondere des Fahrpersonals liegen (s. Grafik). Viele sind mit analoger Technik aufgewachsen – und tun sich mit digitalen Neuerungen schwer.
Reden ist Gold
Wer Ängste abbauen will, muss klar kommunizieren. Die Beschäftigten müssen das Gefühl bekommen, dass ihnen die Technik hilft, und nicht, dass sie damit überwacht und ausgespäht werden sollen. Transparente Schulungen sind ebenso wichtig wie ein klares Bekenntnis zur strategischen Ausrichtung. Die Informationspolitik eines Unternehmens wird dabei zum Erfolgsfaktor: „Jeder, der bei uns arbeitet, muss verstehen, wie und warum wir diesen Job machen. Dazu gehört Mitbestimmung, auf der anderen Seite aber auch die Übernahme von Verantwortung“, sagt etwa Andreas Hanitzsch, Geschäftsführer der Spedition Hanitzsch GmbH & Co. KG.