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SO BEKAM DER KÖNIG SEINE KRONE

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Scania V8

SO BEKAM DER KÖNIG SEINE KRONE

Wenn es eine Person gibt, der die Entwicklung dieses grössten Erfolgsmotors von Scania zu verdanken ist, dann ist das Bengt Gadefelt. Der legendäre Leiter der Dieselmotorenkonstruktion von Scania von den 1960er- bis 1980er-Jahren, der auch der „Vater des Scania V8“ genannt wurde, erkannte früh den Bedarf an Lkw-Motoren, mit denen die steigende Nachfrage nach mehr Leistung – vor allem für Holz- und schwere Ferntransporte – gedeckt werden konnte.

Anfang der Sechziger brachten es Scania Sechszylinder-Reihenmotoren mit acht und elf Litern Hubraum auf 250 ps, eine Leistung, die damals für Ferntransporte ausreichend war. Doch die Ingenieure von Scania (damals Scania-Vabis) erkannten, dass solche Leistungen in Zukunft nicht genügen würden, und beschlossen, den Motorenmarkt umzukrempeln.

Gadefelt war für seinen lässigen Führungsstil bekannt und besass die Gewohnheit, sich über die Entwürfe der Konstrukteure zu beugen und auf aufschlussreiche Details aufmerksam zu machen. 1962 wurde er mit der Aufgabe betraut, die Entwicklung eines leistungsstärkeren Motors zu leiten.

„Wir erkannten, dass etwa 350 ps nötig waren, um eine gute ‚Fahrbarkeit‘ zu erreichen – also rund 100 ps mehr als bei unseren anderen Motoren“, sagte Gadefelt später, auf das Projekt zurückblickend.

Die Nachfrage nach leistungsfähigeren Lkw-Motoren fiel praktischerweise zusammen mit dem Trend zu kompakteren Frontlenker-Lkw statt der Torpedohauber, die die Schwertransporte der Nachkriegszeit beherrschten. Doch es gab ein Problem: Wie sollte man einen grösseren Achtzylinder-Reihenmotor unter eine Frontlenkerhaube bringen? Das Konzept, das Gadefelt und seine Kollegen sich ausdachten, war ein leistungsfähiges, aber sehr kompaktes Triebwerk: ein 90-Grad-V8 mit einem 14,2-Liter-Motor. Dieses Antriebskonzept wies alle Eigenschaften auf, die die Ingenieure von Scania anstrebten: gute Zugkraft bei niedrigen Motordrehzahlen, wenige Gangwechsel und genügend zusätzliche Leistung im gesamten Drehzahlbereich.

Kühlmittelpumpe eines 16-Liter-Motors von 2012. Die regelbare Kühlmittelpumpe wurde von Scania in Partnerschaft mit einem Zulieferer entwickelt. Bengt Gadefelt, der von den 1960er- bis Ende der 1980er-Jahre die Konstruktionsabteilung für Scania Dieselmotoren leitete.
SO BEKAM DER KÖNIG SEINE KRONE

Das erste Modell, das mit dem neuen Motor ausgerüstet wurde, der lb 140, erntete schnell Beifall seitens der Speditionen. Die Kunden schätzten das Erscheinungsbild des Motors mit den V-förmigen Ventildeckeln auf einzelnen Zylinderköpfen und freuten sich über die hohe Leistung von 350 ps in Kombination mit einem Drehmomentverlauf, der das Fahren mit niedrigen Drehzahlen begünstigte. Dann war da natürlich noch der unverkennbare Sound – das Grollen, das zu einer der meistgeschätzten Eigenschaften des V8 werden sollte.

„Scania entwickelte einen sehr robusten Motor, der langlebig war, selbst bei anspruchsvollen Einsätzen“, sagt Ulf Wallin, früher Assistant Chief Engineer bei Scania, nun Performance Object Leader. „Mit dem V8 ist uns ein Motor gelungen, der aufgrund seiner hohen Leistung und guten Fahrbarkeit bei niedrigen Drehzahlen äusserst wirtschaftlich war. Und im Gegensatz zu anderen Hochleistungs-Reihenmotoren war beim V8 der Verschleiss an Achsen, Getriebe

− Im Labor −und anderen Komponenten des Antriebstrangs gering.“

Scania baute insgesamt 170.000 Stück der 14-Liter-V8-Motoren, was ihn bei weitem zum meistverkauften Motor im Hochleistungssegment machte. So weit, so gut?

Nicht ganz. In den späten 1980er-Jahren war die Zukunft des V8-Motors gefährdet. Scania nahm das bis dahin grösste Fahrerhaus-Redesign in Angriff, woraus 4er-Baureihe hervorging, die 1995 eingeführt wurde. Plötzlich war er aufgrund der zahlreichen Herausforderungen, die mit der Integration des V8-Motorblocks ins Design verbunden waren, keine naheliegende Wahl mehr. Die Ingenieure von Scania spalteten sich in zwei Lager.

Einige favorisierten die Idee eines Sechszylinder-Reihen-„Kombimotors“ mit 11 und 14 Litern Hubraum, bei dem das modulare System des Unternehmens voll zum Tragen gekommen wäre. Andere hoben jedoch die Bedeutung des V8 für die Marke Scania hervor. Ein Chefingenieur drückte es so aus: „Unser V8 trägt auch zum Verkauf unserer anderen Produkte bei.“

Eine echte Rarität: Einer der Prototypen eines 72-Grad-Winkel-V8, der den ursprünglichen 14-Liter-V8 ablösen sollte. Er kam nie zum Einsatz. Scania V8

Zum Glück setzte sich diese Meinung durch.

Einige Jahre später stand Scania erneut an einem technischen Scheideweg: Wie sollte man die neue Einspritztechnik integrieren, die notwendig war, um die neue Abgasnorm Euro 3 zu erfüllen? Um das Problem zu lösen, nahmen die Scania Ingenieure die Entwicklung einer völlig neuen Motorkonfiguration in Angriff: ein V8 mit einem engeren Winkel von 72 Grad. Man baute rund ein Dutzend Prototypen, von denen einige noch in abgelegeneren Ecken der f&e-Abteilung von Scania herumliegen.

An diesem Punkt schaltete sich ein gewisser leitender Ingenieur ein: Bengt Gadefelt.

„Er warnte davor, dass der 72-Grad-Motor einen sehr komplexen Aufbau haben würde, vor allem die Kurbelwelle“, erinnert sich Håkan Fransson, ein ehemaliger Chefingenieur von Scania, der mittlerweile im Ruhestand ist. „Nachdem die Entscheidung zugunsten einer anderen Einspritzlösung gefallen war, beschlossen wir schliesslich, stattdessen einen völlig neuen 90-Grad-16-Liter-Motor zu entwickeln.“

So ging es selbst für ein treues Arbeitspferd wie den ursprünglichen 14-Liter-V8-Motor in die letzte Runde. Die Abgasbestimmungen und Umweltauflagen wurden mit der Einführung der Normen Euro 3, 4 und 5 immer strenger und Mitte der 1990er-Jahre bereitete sich Scania auf einen grossen Technologiesprung vor: die Entwicklung eines völlig neuen V8-Motors als Ersatz für den 14-Liter-Motor.

Mit Beginn des neuen Jahrtausends wurde die ursprüngliche Legende schliesslich vom erheblich stärkeren 16-Liter-V8-Motor ersetzt, der Nennleistungen von 480 und 580 PS bei 1.900 U/min und bis zu 2.700 Nm Drehmoment aufweist – mehr als doppelt so viel wie der ursprüngliche V8 von 1969. Ein weiterer wichtiger Schritt, den Scania mit dem neuen Motor in Angriff nahm, war

die Modularisierung: Viele Komponenten, wie zum Beispiel der Zylinder, waren die gleichen wie bei den Reihenmotoren. Das modulare Konzept ist für Synergien in der Entwicklung und Produktion von Scania von enormer Bedeutung, aber es kommt auch den Kunden zugute, da es den Service und das Ersatzteilmanagement vereinfacht.

2000 fand die große Umstellung von 14-Liter-V8 auf die neue 16-Liter-Motorenplattform statt.
Björn Westman, der Leiter der Motorenentwicklung, 2010 aufgenommen mit dem bis dato leistungsstärksten Lkw-Motor der Welt, dem 730-PS-V8.

Projektleiter der neuen D16-Motorenplattform war Jonas Hofstedt, der heute Vice-President von Scania r&d ist. „Auf persönlicher Ebene ist das immer noch der Höhepunkt meiner 35-jährigen Laufbahn bei Scania“, sagt er.

Hofstedts Kernteam war eine eingeschworene Truppe von gerade mal zehn Leuten, die vor riesigen Aufgaben standen: Sie mussten Zulieferer finden, eine neue Produktionslinie einrichten, das neue Design dem Fahrwerk anpassen und nicht zuletzt einen Motor entwickeln, der dem Image seines Vorgängers gerecht wurde – Leistung und Zuverlässigkeit.

„Ich bin sehr stolz auf das Ergebnis“, sagt Hofstedt heute. „Die 16-Liter-V8-Plattform von Scania wurde ein Erfolg, dem kein Konkurrent nahe kam. Seit der Einführung hat er sich im Hochleistungssegment zu Recht einen Namen gemacht und ist das Fundament, auf dem der verbesserte Motor von heute basiert.“

Nach der Einführung des 16-Liter-V8 im Jahr 2000 setzte Scania die Entwicklungsarbeit an seinen Motoren fort. 2005 führte das Unternehmen sein bis heute umfangreichstes Motorenprogramm ein, darunter 500, 560 und 620 ps starke Euro-3-, Euro-4- und Euro-5-konforme V8-Motoren mit bis zu 3.000 Nm Drehmoment. Hier nutzten die Ingenieure Technologien, mit denen die Umweltauflagen bei allen Transportarten in effizientester Weise erfüllt wurden.

Scania V8

Da die Einführung der Abgasnorm Euro 6 schnell näherrückte, war Scania gezwungen, enorme Ressourcen in die Kombination aller neuen Motorentechnologien zu stecken, die das Unternehmen entwickelt hatte: Abgasrückführung, variable Turbogeometrie, Common-Rail-Hochdruck-Einspritzung, selektive katalytische Reduktion und Partikelfilterung. Hinzu kommt noch die eigene Motor- und Abgasmanagement-Technologie von Scania, die nun in ein System integriert wurde. Alle genannten Technologien sollten später beim V8 eingesetzt werden.

2010 kamen all diese Merkmale zusammen, als Scania mit dem 16-Liter-Motor den nächsten grossen Entwicklungsschritt vollzog: Der Hubraum wurde von 15,6 auf 16,4 Liter vergrössert und es wurde ein neuer, leichterer, aber stabilerer Zylinderblock aus gjv (Gusseisen mit Vermiculargraphit) eingeführt. Zeitgleich präsentierte Scania den bislang leistungsstärksten Lkw-Motor der Welt: einen 730-ps-V8 mit einem maximalen Drehmoment von 3.500 Nm. Mit dem R 730 war eine neue Legende geboren.

In den folgenden Jahren wurde weiterhin intensiv an der Entwicklung von Motor und Fahrerhaus gearbeitet. Als Scania im März 2013 seine neuen Streamline Lkw einführte, stellte das Unternehmen auch seine Euro-6-Motoren der zweiten Generation vor, darunter V8-Motoren mit 520, 580 und 730 ps.

In Einklang mit dem wachsenden Umweltbewusstsein führte Scania auch die Entwicklung von Motoren fort, die mit verschiedenen erneuerbaren Kraftstoffen betrieben werden konnten. Jeder seit 2015 gebaute V8-Lkw kann auch mit Biodiesel-hvo betrieben werden, und das Unternehmen hat auch mehrere Motoren im Angebot, die für den alltäglichen Einsatz von Biodiesel-fame geeignet sind.

Zum 125. Firmenjubiläum führte Scania 2016 eine völlig neue Lkw-Baureihe ein. Diese bislang grösste Produkteinführung in der Geschichte des Unternehmens war das Ergebnis von zehn Jahren Entwicklung und einer Investition von über zwei Milliarden Euro.

Im darauffolgenden Jahr stellte das Unternehmen den völlig neuen V8-Motor für die neue Lkw-Generation vor. Sein Zylinderblock wurde weiter verstärkt, um in Zukunft noch höheren Drücken standhalten zu können. Der neue V8 basierte auf vielen erfolgreichen Merkmalen früherer Generationen, und dennoch waren von den etwa 650 Teilen, aus denen der gesamte Motor besteht, 200 vollkommen neu. Das Team, das den neuen V8-Motor entwickelte, konzentrierte sich auf vier Schwerpunktbereiche: die Verbesserung der Kraftstoffeffizienz um fünf bis acht Prozent, die Verbesserung der Wartungsfreundlichkeit, die Verbesserung der Produktionsprozesse und ein zeitgemässes Design.

Scania V8

Doch was wären die Scania V8 ohne die Personen, die sie nutzen, jeden Tag, rund um die Uhr, unter allen Bedingungen? Die V8-Kunden geniessen innerhalb der f&e-Abteilung von Scania eine Sonderstellung. Da sie sehr sachkundig und loyal sind, spielen sie für Scania eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, neue Modelle und Funktionen zu testen. Dies gilt aber nicht nur für V8-Lkw, sondern für die Entwicklungsarbeit im Allgemeinen.

Ein Scania Testfahrer der jüngeren Zeit ist Rickard Sjöstrand, ein Schwede, der zwischen 2016 und 2017 einen Scania V8 der neuen Generation zur Probe fuhr, einen S 650 6×2 Euro 6.

„Der Motor ist wirklich kräftig und läuft gut“, sagte er. „Man sollte meinen, dass ein grösserer Motor mehr Kraftstoff verbraucht, aber er verbraucht auf 100 Kilometer sogar drei Liter weniger als mein vorgängiger Scania V8.“

Allein den Motor anzulassen, war für Sjöstrand schon ein Vergnügen: „Dieser neue Motor grollt so richtig schön.“

Das vielleicht wertvollste Feedback an die f&e-Abteilung sei stets von V8-Kunden gekommen, die die Lkw in der Praxis getestet haben, meint Björn Westman, ein Manager mit langjähriger Erfahrung als Leiter der Motorenentwicklung bei Scania. „Ihr Feedback ist nicht nur für unsere V8-Entwicklung immens wichtig, sondern als Nebeneffekt auch für unsere Motorenentwicklung ganz allgemein“, so Westman. „Dadurch konnten wir uns weiter schwerpunktmässig auf das Hochleistungssegment konzentrieren.“

Das wird Scania sicher auch weiterhin tun, wobei dem V8 eine zentrale Rolle zukommt. Die Legende mit ihrem unverkennbaren tiefen Grollen wird weit über die ersten 50 Jahre hinaus weiterleben und vermutlich noch leistungsfähiger als die heutige 730-ps-Version sein.

Scania V8